Indische Anleihen: eine hervorragende Chance an den globalen Anleihemärkten

Während die westlichen Industrieländer von einer Welle des Populismus erfasst werden, entfaltet sich in Südasien eine verhaltenere Revolution: Indiens Transformation in eine dynamische Volkswirtschaft des 21. Jahrhunderts. Für internationale Anleiheinvestoren ergibt sich daraus eine hervorragende Gelegenheit.

Indien steht kurz davor, 2018 zur weltweit fünftgrössten Volkswirtschaft aufzusteigen. Auch wenn es auf dem Weg dorthin Hindernisse gegeben hat und weiterhin geben wird, steuert die Regierung unter Premierminister Narendra Modi und die Notenbank des Landes diesen wirtschaftlichen Wandlungsprozess mit Erfolg. Reformen führen zu rapiden Verbesserungen in der Infrastruktur und im wirtschaftlichen Geschäftsgebaren.

Starke Fundamentaldaten – mit ungebrochener Tendenz nach oben

In den letzten Jahren hat sich die Zahlungsbilanz Indiens deutlich verbessert. Das Leistungsbilanzdefizit geht stetig zurück und die Regierungspolitik einer wirtschaftlichen Öffnung hat zu einem deutlichen Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen geführt. Die politisch Verantwortlichen erwägen nun Quoten für ausländische Portfolioanlagen (die bestehenden Quoten sind seit geraumer Zeit fast vollständig ausgeschöpft). Damit würden nicht in Indien ansässige Anleger besseren Zugang zum indischen Anleihemarkt erhalten.

Trotz der stärkeren Partizipation ausländischer Anleger am indischen Anleihemarkt und einer Vielzahl unvorhergesehener Ereignisse im letzten Jahr blieb die Volatilität relativ gering. Dies dürfte die Behörden sehr zuversichtlich stimmen. Und weil die politischen Entscheidungsträger angesichts des sich bessernden Wachstumsumfelds zudem bestrebt sind, mehr Privatinvestitionen zu fördern, wäre dies ein günstiger Zeitpunkt, die Kapitalmärkte zu öffnen. Dadurch hätten Unternehmen mehr Handlungsspielraum, um sich zu finanzieren und somit ihre Kreditkosten zu senken.

Ein verantwortlicher Haushalt

Die letzte Haushaltsvorlage von Premierminister Modi war relativ verhalten und zielte auf eine Reduzierung des Haushaltsdefizits und eine geringere Verschuldung auf kurze und längere Sicht ab. Ein besonderer Stellenwert kommt diesem Umstand aufgrund der Auswirkungen auf die Bonität des Landes zu – ein wesentlicher Faktor für Anleiheinvestoren. Die Verschlechterung des Defizitziels für das Fiskaljahr 2017/2018 von 3,2 % auf 3,5 % wurde aufgrund der Schocks im Zuge von Reformmassnahmen wie einer Geldentwertung und der Umsetzung der Waren- und Dienstleistungssteuer (GTS) weithin erwartet. Für den Haushalt 2018/2019 bestand aufgrund der im kommenden Jahr anstehenden Wahlen auf Bundesebene  ein sehr hohes Risiko, dass die fiskalpolitischen Zügel beträchtlich gelockert, populistische Massnahmen ergriffen und der Konsolidierungspfad vorübergehend verlassen werden würde. Stattdessen legte die Regierung einen glaubwürdigen Haushalt mit einem Konsolidierungsziel von 3,3 % statt bislang 3,5 % vor. Ausserdem akzeptierte die Regierung zwei Empfehlungen des Fiscal Responsibility and Budget Management Act (FRBM). Eine davon legt nahe, die kombinierte Verschuldung auf Bundes- und Bundesstaatenebene bis zum Jahr 2023 auf 60 % des BIP zu verringern und somit den längerfristigen vorsichtigen Schwerpunkt aufrechtzuerhalten.

Ermutigende Reformen

Die GST ist eine der wichtigsten Reformen, die jemals durchgeführt wurden, und sicherlich die wichtigste Steuerreform in Indien überhaupt. Die Verabschiedung des diesbezüglichen Gesetztes bedurfte der Unterstützung der indischen Zentralregierung und der Regierungen der indischen Bundesstaaten, die letztlich den Gesetzesvorschlag annehmen, einführen und umsetzen müssen. Es sagt viel über die Zentralregierung aus, dass sie es verstanden hat, so mit den Bundesstaaten zu verhandeln, dass es zu einem Konsens kam, in dessen Folge das Gesetz verabschiedet werden konnte. Der Prozess mag nicht ganz ideal gewesen sein, aber es handelt sich um einen immensen Schritt nach vorne.

Glücklicherweise sind das Verschuldungsniveau und das Verhältnis der Verschuldung zum BIP in Indien nicht besonders hoch, vor allem im Vergleich zu anderen Schwellenländermärkten. Die Auslandsverschuldung, die grösstenteils langfristiger Natur ist und keinerlei staatliche Anteile enthält, beläuft sich lediglich auf rund 20 % des BIP und ist zu fast 80 % durch Reserven gedeckt, die sich auf über 400 Mrd. USD belaufen. Indien weist bezüglich der Auslandsreserven einige der stärksten Kennzahlen aller Länder auf (Abdeckung der Importe von ca. zehn Monaten), und die kurzfristigen Schulden machen nur in etwa 20 % der Reserven aus. Während die Rating-Agenturen viele dieser Verbesserungen nur allmählich zur Kenntnis genommen haben, erkennen die Anleger, dass sich der Ausblick für Indien verbessert hat und die Grundlagen für anhaltende Wirtschaftsreformen gelegt wurden. Staatliche fünfjährige Credit Default Swaps werden zu ihren niedrigsten Niveaus seit fünf Jahren gehandelt.

Ebenso wie die Bemühungen der indischen Regierung unter Modi zur Haushaltskonsolidierung konnte auch der proaktive geldpolitische Ansatz der Zentralbank beeindrucken. Urjit Patel, Gouverneur der Reserve Bank of India (RBI), hat mit seiner hartnäckigen Verfolgung eines Inflationsziels beneidenswert gute Arbeit geleistet. In ihrer letzten Sitzung beschloss die RBI, den Leitzins bei 6 % zu belassen. Während die Bank einige Bedenken über „eine in den Kinderschuhen steckende Erholung, die es sorgsam zu hegen gilt“ geäussert hat, wurde zugleich ein umsichtiger geldpolitischer Ansatz verfolgt, der über kurzfristige Wachstumsschocks infolge der Geldentwertung und der Umsetzung der GST hinwegblickte und einer steigenden Inflation angesichts einer Wachstumserholung vorausgriff.

Inflation unter Kontrolle

Dass die Inflation in den letzten Monaten dennoch anstieg, ist teilweise auf vorübergehende Faktoren zurückzuführen. In einigen Teilen Indiens kam es gegen Ende des letzten Jahres zu Überschwemmungen, die die Gemüseernte beeinträchtigten, weshalb die Preise für Gemüse und andere Lebensmittel in die Höhe schnellten. Nach der Aussaat und Ernte im Winter sowie der „Rabi-Ernte“ im ersten Quartal, die die Angebotsengpässe behoben haben dürften, ist die Inflation seitdem wieder zurückgegangen. Ein zweiter Faktor war die geplante Erhöhung der Löhne und Gehälter im öffentlichen Sektor, deren Auswirkungen im Dezember des letzten Jahres ihren Höhepunkt erreicht haben dürften. Aus diesem Grund erscheinen die Risiken in Bezug auf Inflation und Fiskalpolitik mehr als ausreichend eingepreist – vorausgesetzt der Ölpreis bleibt relativ stabil, denn Indien ist ein Nettoimporteur von Rohöl.

Die Regierung beabsichtigt weiterhin, ihr Reformprogramm umzusetzen, und bemüht sich auch künftig, den Lebensstandard der ländlichen Bevölkerung zu verbessern, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen und in Infrastruktur wie Schienen und Strassen zu investieren, anstatt eher populistische Massnahmen zu verfolgen, indem etwa Subventionen verteilt werden.

Die Regierung hat schliesslich auch in Sachen Desinvestitionen Erfolge vorzuweisen, indem sie ihre diesbezüglichen Zielvorgaben für 2017/2018 übertroffen hat. Daran wird ihre verbesserte Umsetzungsfähigkeit ersichtlich, die hoffentlich von Dauer sein wird. Nach der Umsetzung der GST werden Steuervorschriften vermehrt eingehalten. Da nun auch das Electronic-Way Bill in Kraft getreten ist, dürfte sich dieser Effekt noch verstärken. Hierbei handelt es sich um ein elektronisches Genehmigungsverfahren für die Nachverfolgbarkeit des Güterverkehrs über bundesstaatliche Grenzen hinweg. Nachdem alle Kontrollpunkte entfernt worden sind, dürften sich Verbesserungen bezüglich Logistik und Produktivität sowie eine verbesserte Überwachung und Einhaltung von Vorschriften ergeben. All dies geschieht im Verbund mit einigen der momentan grössten Infrastrukturprojekten weltweit, etwa immensen Bauprojekten für Frachttransportsysteme, die ab 2019 in Angriff genommen werden dürften und mit denen grosse Teile des Landes miteinander verbunden werden sollen. Dadurch werden die Logistikkosten deutlich gesenkt und die Produktivität stark gesteigert.

Zweifelsohne bestehen auch Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die notleidenden Kredite im Bankensektor. Die jüngste Meldung über einen Bankenbetrug in Höhe von 1,8 Mrd. USD in der Niederlassung der Punjab National Bank in Mumbai – Indiens zweitgrösste Bank in staatlicher Hand – hinterliess diesbezüglich keinen guten Eindruck. Im Vergleich dazu bleibt das Kreditwachstum im Privatsektor eher bescheiden, obschon es sich unlängst etwas verbessert hat. Allerdings gibt es keine einfachen Lösungen. Kapitalspritzen dürften einen Teil der auf dem Finanzsystem lastenden Probleme beseitigen. Aber nur ein Fokus auf und das Bekenntnis zu langfristigen Reformen wird zu nachhaltigen Verbesserungen führen können.

Daraus schliessen wir, dass das fundamentale Umfeld in Indien robust ist und sich weiter verbessern wird. Die Regierung befindet sich auf einem beständigen Weg der haushaltspolitischen Konsolidierung und die Zahlungsbilanz des Landes verbessert sich laufend. Ausschlaggebend ist, dass sowohl die Regierung als auch die Zentralbank glaubwürdig sind und die Reformrevolution ungebremst an Fahrt gewinnt.

Vorteile indischer Anleihen

Für aktuelle und potenzielle Anleiheinvestoren verheissen die Verbesserungen im politischen und wirtschaftlichen Umfeld Indiens Gutes. Und betrachtet man, wie ausgereift Indiens Anleihemarkt mittlerweile schon ist, dann gestaltet sich der Ausblick noch rosiger.

Indien verfügt über Asiens zweitgrössten Markt für Staatsanleihen und den drittgrössten Markt für Unternehmensanleihen in Lokalwährung. Die tägliche Liquidität gehört zu den höchsten in der Region und die Geld-Brief-Spannen für Staatsanleihen sind mit rund 2 Basispunkten (bp) bei liquiden Anleihen eng.

Die Renditen indischer Anleihen bleiben attraktiv, insbesondere im Vergleich zu den derzeit niedrigen Renditen in den USA und Europa. Per Ende Januar 2018 lag die durchschnittliche Indexrendite bei 7,7 % verglichen mit einer Inflation von 5,1 %. Dies ist vor allem deshalb beeindruckend, da Indiens Staatsanleihen mit Investment Grade (BBB-Rating) bewertet sind. Der Renditevorteil für hoch bewertete quasi-staatliche Emissionen und Unternehmensanleihen beträgt 40–80 bzw. 80–130 Basispunkte. Die Rendite von 7,7 % ist mit einer überraschend niedrigen Volatilität erreichbar, da die indische Rupie eine der am wenigsten volatilen Währungen weltweit ist. Die Volatilität der indischen Landeswährung ist beispielsweise nur in etwa halb so hoch wie die der massgeblichen G10-Währungen.

Ausserdem ist Indiens Wirtschaft stark auf den Binnenkonsum ausgerichtet. Die Ein- und Ausfuhren betragen in etwa nur 15 % des BIP. Das heisst, dass Indiens Wirtschaft eine geringe Korrelation zum globalen Wachstum aufweist.

Globale Anleiheinvestoren waren in der Vergangenheit gar nicht oder nur sehr geringfügig am indischen Anleihemarkt investiert, der aus Gründen der Zugänglichkeit nicht Bestandteil der bedeutenden Anleiheindizes für Schwellenländermärkte oder Industrieländer ist. Indische Anleihen haben nur ein geringes Gewicht - selbst in speziellen asiatischen Anleiheindizes. Ausländische Anleger halten lediglich rund 5 % des gesamten indischen Anleihemarktes. Gleichzeitig machen indische Lokalwährungsanleihen im Durchschnitt nur 1 % der in Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer investierten Portfolios aus. Damit bieten indische Anleihen internationalen Anleiheinvestoren eine hervorragende Möglichkeit zur Diversifikation.

Der Ausblick für indische Anleihen gestaltet sich sehr positiv und Anleiheinvestoren weltweit erkennen allmählich die Gelegenheiten, die sich in Indien auftun.

Kenneth Akintewe
Head of Asian Sovereign Debt, Fixed Income – Asia


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