Über den Tellerrand hinaussehen

Es wird immer wieder gesagt, dass es an den Schwellenländermärkten nie langweilig wird. Nie enthielt diese Bemerkung mehr Wahrheit als heute.

Es ist ein Jahr der Höhen und Tiefen: Die geplanten Strafzölle der USA für importierten chinesischen Stahl und Aluminium sind nur die jüngsten Schlagzeilen. Der Rücktritt des umstrittenen südafrikanischen Präsidenten Zuma und mögliche neue Sanktionen gegen Russland. All diese Entwicklungen sorgen für reichlich Unruhe. Es lohnt sich jedoch, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, um den Ausblick für die Schwellenländermärkte besser zu verstehen.

Nehmen Sie die Stahl- und Aluminiumzölle der USA als Beispiel. Die Annahme liegt nahe, dass die geplanten Tarife auf chinesischen Stahl und Aluminium die ersten Salven in einem Handelskrieg zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt sind.

Tatsächlich ist dies eine ganz natürliche Reaktion. Schliesslich waren die letzten 30 Jahre von dem Mantra der USA geprägt, internationale Handelsbarrieren zu beseitigen. Dies hat zu nie dagewesenem Wachstum geführt, und die meisten Länder, nicht zuletzt die Schwellenländermärkte, profitierten von dieser Entwicklung.

Die Wirtschaftskraft Chinas und der Bedarf an den Ressourcen anderer Länder bedeuten, dass das Land für andere Schwellenländermärkte eine Art Vorbildfunktion einnimmt. Wenn China niest, erkälten sich die restlichen Schwellenländermärkte nicht unbedingt; aber eine Erkältungswelle löst Bedenken aus. Schwellenländermärkte haben im Allgemeinen erheblich von den geringen Handelsbarrieren profitiert. Ein derart unverhohlener Angriff auf den globalen Handel wie die geplanten Tarife könnte deshalb problematisch sein.

Solche Schlussfolgerungen müssen jedoch genauer überprüft werden. Erstens handelt es sich nicht um einen Handelskrieg, zumindest noch nicht. Die Trump-Regierung will die wirtschaftliche Beziehung zu China ins Gleichgewicht bringen, insbesondere die scheinbar unsymmetrische bilaterale Handelsbeziehung. China weiss das, weshalb die Reaktion des Landes eher abwartend ist.

Das Risiko einer Eskalation besteht durchaus, was sich sicherlich ungünstig auf das Weltwirtschaftswachstum und die Schwellenländermärkte auswirken würde. Aber im Grunde wissen beide Parteien, wie viel sie zu verlieren haben. In China wird die erhebliche Inlandsnachfrage zunehmend zum Hauptthema. Das Wachstum lässt zwar nach, aber die Inlandsnachfrage wird noch auf Jahre hinaus viele Ressourcen der Welt aufbrauchen.

Zweitens muss man zwischen Worten und Taten unterscheiden. Bislang sind noch keine Einzelheiten zu den Zöllen bekannt. Es bleibt also abzuwarten, ob sie der Rhetorik überhaupt entsprechen werden.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Taten der Trump-Regierung hinter ihren harten Worten zurückbleiben. Mexiko ist hier ein gutes Beispiel. In den letzten Jahren ging es dem Land nicht gut. Die von den USA in Betracht gezogene Repatriierung der Gewinne aus dem Ausland und Befürchtungen über die angedrohte NAFTA-Kündigung haben zu den innenpolitischen Problemen noch beigetragen. Sie haben Währung und Wachstum belastet. Da die Wirtschaft Mexikos von den USA abhängig ist, hat dies zu düsteren Prognosen für das Land geführt.

Jedoch könnten die Aussichten weniger trübe sein als angenommen. Festzustellen ist, dass Mexiko und Kanada, trotz allem Säbelrasseln, von den Tarifmassnahmen der USA ausgenommen sind. In der Zwischenzeit macht es ausserdem den Anschein, dass die angedrohte NAFTA-Kündigung nicht in die Tat umgesetzt werden wird.

Mexiko hat mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Handelsbeziehungen des Landes zu den USA werden sich wahrscheinlich ändern, auch wenn die Realität weniger dramatisch als die Rhetorik ausfallen dürfte. Der soziale und wirtschaftliche Fortschritt geht schleppender vonstatten als während des Rohstoffbooms.

Dieses Problem ist auch anderen Schwellenländermärkten wie Brasilien bekannt. Das Land hat eine turbulente Zeit der Rezession, Proteste und der Aufdeckung tiefgreifender Korruptionsskandale durchgestanden.

Diese Schwierigkeiten hat das Land jedoch hinter sich gelassen. Brasilien geniesst inzwischen ein steigendes Wirtschaftswachstum und eine bessere Inflation.

Auch die Zukunft anderer Schwellenländermärkte macht einen vielversprechenden Eindruck. Indiens Landeswährung schwächelt zwar, doch die Inflation legt etwas zu, und Präsident Modis umfassende Reformen werden über Jahre hinweg für eine schrittweise Verbesserung sorgen.

Insgesamt betrachtet entwickeln sich die Volkswirtschaften der Schwellenländermärkte gut. Natürlich wird die Politik immer ein wichtiges Thema für die Region sein. Politik und Wirtschaft sind aber nicht nur in Schwellenländermärkten untrennbar miteinander verbunden. Wichtig ist, Rhetorik von Realität zu unterscheiden.


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